{"id":2641,"date":"2020-11-03T19:35:41","date_gmt":"2020-11-03T18:35:41","guid":{"rendered":"https:\/\/improflair.at\/momentum\/?page_id=2641"},"modified":"2020-11-03T19:56:04","modified_gmt":"2020-11-03T18:56:04","slug":"partizipation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/improflair.at\/momentum\/kompetenzorientiert\/partizipation\/","title":{"rendered":"Partizipation"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ein Kernelement von Improvisationsmethoden ist das Prinzip des \u201eYes, and\u2026\u201c zu sehen \u2013 also das achtsame Wahrnehmen und Wertsch\u00e4tzen eigener Ideen, von Impulsen anderer sowie die Ben\u00fctzung dieser als Ausgangspunkt und Bestandteil(e) f\u00fcr eigene Beitr\u00e4ge. So wird das Entstehen neuer Ideen immer wieder initiiert \u2013 auch da eine angstfreie Atmosph\u00e4re entsteht, in der kreativ geforscht werden kann. Damit wird ein dialogorientiertes Miteinander gef\u00f6rdert, das von gegenseitigem Respekt, Wertsch\u00e4tzung und Unterst\u00fctzung gepr\u00e4gt ist, indem Beitr\u00e4ge von Lernenden einen ebenso bedeutenden Wert haben, wie jene von Lehrenden. Gleichzeitig werden Lernende ermutigt und unterst\u00fctzt, selbst Verantwortung sowohl f\u00fcr Lernprozesse zu \u00fcbernehmen \u2013 ebenso in Form des Einbringens von Wortmeldungen, Ideen und selbstst\u00e4ndigen Tun &#8211; als auch gemeinsam mit anderen Lernenden und Lehrenden zu einer konstruktiven, gelingenden Lernatmosph\u00e4re beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Improvisationstheater gibt es im Gegensatz zu traditionellen Formen des Theaters weder eine Textvorlage noch detaillierte Anweisungen, welche Rollen Spielende \u00fcbernehmen oder in welcher Form sie eine bestimmte Handlung machen bzw. mit anderen interagieren sollen. Werden Improvisationsmethoden in Lernsettings transformiert, gilt noch st\u00e4rker, dass der Wechsel zwischen den Rollen als (im Gro\u00dfen und Ganzen passive) Zusehende und Spielende entweder ganz verschwinden, oder es zu einem st\u00e4ndigen Fluss des Wechsels zwischen diesen Rollen sowie deren zeitweise Verschmelzung kommt. Lernende werden demnach zu AkteurInnen und GestalterInnen des gesamten Bildungsprozesses, \u00fcbernehmen f\u00fcr diesen in verschiedenster Form Mitverantwortung, werden zudem selbstst\u00e4ndig initiativ, ohne explizit dazu aufgefordert zu werden oder eine genau beschriebene Vorgabe zu erhalten. Es ergeben sich emergente Effekte, in denen alle Beteiligten gleicherma\u00dfen Input geben, diesen annehmen und weitergestalten. Dies geschieht nach Mustern der Chaostheorie, dadurch wird die Frage nach dem, was zuerst ist und was als n\u00e4chstes kommt wird, unwichtig wird (vgl. Scott, 2013).<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang noch einmal ein Blick auf den Begriff der \u201eCo Creation\u201d:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn contrast to a cooperative learning exercise, when an improvisational approach is used in the classroom, the class facilitates the discussion and synthesizes the information. It is a process for exploring collaboration and cooperation at its most fundamental level, the co-creation of ideas, rather than an instructor-directed or scripted group activity.\u201d (Berk &amp; Trieber, 2009, S. 14).<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei stellt sich nicht die Frage, ob eine Antwort auf eine Frage falsch oder richtig ist, sondern wie verschiedenste Impulse kreativ genutzt und weiterentwickelt werden k\u00f6nnen. Co Creation erfolgt dabei, wie Stewart (2016) erg\u00e4nzt, im Hier und Jetzt, ohne Verz\u00f6gerung. Es gibt vielleicht ein gewisses Ma\u00df an Struktur, da z. B. eine Wort-f\u00fcr-Wort Assoziation im ABC-Modus umgesetzt wird (erstes Wort beginnend mit A, zweites Wort mit B usw.) \u2013 dazu kommen jedoch Inspirationen, die von anderen Anwesenden eingeholt werden, wie beispielsweise ein thematischer Rahmen oder eine Fragestellung. Ansonsten finden die Beteiligten zu einem koordinierten Vorgehen, ohne dass dies von au\u00dfen gesteuert wird. Mehr noch, es ergeben sich im gemeinsamen Tun schnell so nicht planbare oder wiederholbare Variationen der Vorgangsweise. Dabei k\u00f6nnen ebenso Personen eine sehr intensive Form von Co Creation umsetzen, die bisher in dieser Zusammensetzung noch nie zusammengearbeitet haben. In diesem Prozess \u00fcbernehmen sie in einem intensiven Ausma\u00df gemeinsam Verantwortung f\u00fcr das Geschehen, Stewart (S. 140) verwendet die Beschreibung \u201eownership of creation\u201c. Wobei verschiedene Rahmenbedingungen diese Effekte wahrscheinlicher machen, wie diese Arbeit aufzeigen m\u00f6chte. Spolin (1986) dr\u00fcckt das zusammenfassend so aus: \u201eimprovisation is not an exchange of information between players; it is communion\u201c (S. 45).<\/p>\n\n\n\n<p>Berk und Trieber (2009) ziehen einen interessanten Vergleich: In einem Theaterst\u00fcck gibt es eine Person, die die Regie \u00fcbernimmt, bei der alle F\u00e4den zusammenlaufen. Vermittelt werden teils sehr detaillierte Vorgaben f\u00fcr die Art und Weise, wie ein Text szenisch umgesetzt wird. Eine Diskussion mit den Spielenden kann zwar theoretisch stattfinden, letztlich z\u00e4hlt allerdings das Wort der Regie. Bei Improvisationstheatern und Improvisationsmethoden kann es zwar Personen geben, die Methoden erkl\u00e4ren sowie Vorgaben anbieten, aber selbst diese beiden Elemente k\u00f6nnen (und sollen) von jedem\/jeder Anwesenden \u00fcbernommen werden. Gef\u00f6rdert wird dadurch eine partizipativ gepr\u00e4gte Atmosph\u00e4re, zu deren Gelingen alle Anwesenden gemeinsam beitragen. Die Methoden unterst\u00fctzen, dass sich alle gleicherma\u00dfen einbringen k\u00f6nnen: sowohl als AutorInnen, Spielende, Inszenierende als auch als ZuschauerInnen. Alle Beteiligten k\u00f6nnen dabei selbst immer wieder Rollen in Bereichen umsetzen, wie Input oder Anleitungen geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Improvisationsmethoden haben das Potential u. a. folgende Aspekte zu f\u00f6rdern: \u201espontaneity, intuition, interactivity, inductive discovery, attentive listening, nonverbal communication, ad-libbing, role-playing, risk-taking, team building, creativity, and critical thinking\u201d (Berk &amp; Trieber, 2009, S. 30). Im Fokus steht demnach nicht die Lehrperson, sondern die Lernenden. Lehrende spielen eine wichtige Rolle beim gesamten didaktischen Design, u. a. bei der Auswahl der Methoden, deren Adaption an spezifische Lernziele, Settings, Gruppenspezifika sowie als Personen, die immer wieder Methoden erkl\u00e4ren. Ebenso tragen sie eine wesentliche Verantwortung f\u00fcr ein gutes Debriefing. Wobei: In all diesen Phasen k\u00f6nnen Lernende Mitverantwortung \u00fcbernehmen, sprich didaktische Designs mitentwickeln, einzelne Sequenzen dabei selbst oder Reflexionen anleiten. Damit werden Lernergebnisse nachhaltig verankert und insgesamt immer wieder Querverbindungen zum eigenen Leben der Lernenden sichtbar sowie bewusst hergestellt. Lernen wird daher als sinnerf\u00fcllt erlebt, als ein Vorgang, der zum einen stark mitgestaltet werden kann und soll, der viel an eigenst\u00e4ndigen Tun braucht und zum anderen als Ausgangspunkt, um berufliche und private Herausforderungen nicht nur meistern zu k\u00f6nnen, sondern auch dort immer wieder m\u00f6glichst aktive Gestaltungsrollen zu \u00fcbernehmen (vgl. Berk &amp; Trieber, 2009).<\/p>\n\n\n\n<p>Improvisationsmethoden haben dabei ebenso das Potential Inklusion zu f\u00f6rdern, dazu beizutragen, dass sich alle beteiligen k\u00f6nnen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie von anderen in die Kategorie \u201anormale\u2018 Personen oder solche mit k\u00f6rperlichen und\/oder geistigen \u201aEinschr\u00e4nkungen\u2018 eingeordnet werden. All diese Kategorien verlieren sehr stark an Bedeutung, es wird jedoch ein gleichberechtigtes Miteinander erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Literatur<\/p>\n\n\n\n<p>Berk, R. A. &amp; Trieber, R. H. (2009). Whose classroom is it anyway? Improvisation as a Teaching Tool. Journal on Excellence in College Teaching, 20(3), S. 29 \u2013 60.<\/p>\n\n\n\n<p>Scott, J. (2014). <a href=\"https:\/\/repositories.tdl.org\/ttu-ir\/handle\/2346\/58714?locale-attribute=de\">Improvisation in the Theatre: An Intersection Between History, Practice, and Chaos Theory.<\/a> Texas Tech University, Lubbock<\/p>\n\n\n\n<p>Stewart, C. (2016). <a href=\"https:\/\/ir.library.illinoisstate.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=1601&amp;context=etd\">Effects of Improv Comedy on College Students. <\/a>Dissertation. Paper 601. Illinois State University.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ein Kernelement von Improvisationsmethoden ist das Prinzip des \u201eYes, and\u2026\u201c zu sehen \u2013 also das achtsame Wahrnehmen und Wertsch\u00e4tzen eigener Ideen, von Impulsen anderer sowie die Ben\u00fctzung dieser als Ausgangspunkt und Bestandteil(e) f\u00fcr eigene Beitr\u00e4ge. 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