Debriefing

Warum ist Debriefing (Reflexion) wichtig und welche Möglichkeiten gibt es?

Reflektive Herangehensweisen und Methoden tragen wesentlich zum Gelingen und zu nachhaltigen Effekten von Lernprozessen bei. Gut vorbereitete und dialogorientierte Reflexion ist für den EInsatz von Angewandter Improvisation in Bezug auf Lernergebnisse ein wichtiger Faktor. Ein wesentliches Ziel von Reflexion / Debriefing ist, dass Lernende Verbindungen zwischen Erlebnissen in Methoden der Angewandten Improvisation und ihrem Leben finden bzw. umsetzen. Im Debriefing wird nochmals ein intensiver Bezug zu eigenen Fragestellungen, Lebenswelten, Herausforderungen und (neuen) Handlungsoptionen hergestellt. Debriefing, wie es hier eingesetzt wird, hat Wurzeln u. a. in der anschließenden Reflexion von Krisensituationen sowie in Trainings im medizinischen und pflegerischen Bereich.

Im Folgenden wird auf folgende Aspekte eingegangen:

Ebenen von Debriefing

Im Debriefing wird dazu beigetragen, dass sich Erlebtes, Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Ergebnisse aus Improvisationsmethoden in eigene Lebenswelten – sowohl privat als auch beruflich – transferieren lassen. Diese können mehrere Ebenen haben u. a.:

  • Es kann Wissen angewandt werden.
  • Es können Ideen in die Tat umgesetzt werden.
  • Es können Handlungsoptionen in reale Situationen des Dialogs mit anderen Personen und Personengruppen übertragen werden.
  • Es kann Einfluss auf Rahmenbedingungen des täglichen Lebens genommen werden.
  • Erlebte Methoden können 1:1 oder adaptiert selbst eingesetzt werden.

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Lernmodelle als Ausgangspunkte für Debriefing

Ausgangspunkte für die Planung und Umsetzung von Debriefing können verschiedene Lernmodelle sein. So kann eine Herangehensweise durch die Bloomsche Taxonomie geprägt sein: Zunächst könne eine Aktivität auf den Ebenen von ‚Wissen‘ und ‚Verstehen‘ analysiert werden. Im zweiten Schritt würde es darum gehen auf die Art und Gestaltung der Interaktionen in der Gruppe zu achten, beispielsweise wie verschiedene Aspekte ‚angewendet‘ und im Tun ‚analysiert‘ wurden. Die dritte Phase könnte von ‚Synthese‘ geprägt sein und es könnten weitere alternative Lösungsoptionen entwickelt werden. Auf der Ebene von ‚Evaluation‘ und ‚Meinung‘ könnte dann das eigene Verhalten im gesamten Prozess – auch beim schon bisher umgesetzten Debriefing – im Fokus stehen.

Auch Kolb beschäftigte sich mit dem Weg der Erfahrung zum Lernen sowie den dabei eingesetzten experimentellen, forschenden Vorgangsweisen. Phase eins beim Debriefing könnte sich demnach mit Emotionen beschäftigen. In Phase zwei könnten eigene Erfahrungen mit jener anderer verglichen sowie verknüpft werden. Die dritte Phase wäre ein Ort um aktuell Gelerntes mit vorangegangenen Inhalten und Lerninhalten zu vergleichen sowie diese zu ergänzen, unter anderem mit neuen Perspektiven. Zuletzt ginge es darum Verbindungen zu eigenen Alltagswelten herzustellen, konkrete Handlungsschritte festzuhalten und zu konkretisieren.

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Phasen von Debriefing

Thiagi empfiehlt für Debriefings folgende Phasen, wobei die Fragstellung eine Beschreibung dieser Phasen ist und nicht unbedingt die zu stellende Debriefingfrage widerspiegelt – diese kann allerdings von der Beschreibung abgeleitet werden:

  • „Wie hast Du Dich / was hast Du gefühlt?“ – hier ist explizit auch Raum für Emotionen bzw. ist die Art der Fragestellung als ein Element der wertschätzenden (Selbst)Achtsamkeit zu interpretieren sowie als Ausgangspunkt, dass Teilnehmende etwas voneinander erfahren sowie ein Vertrauensverhältnis auf- und ausgebaut wird.
  • „Was ist geschehen?” Dieser Schritt kann ermöglichen die soeben umgesetzte / erlebte Methode auf einer Metaebene nachvollziehen, sich über genaue Abläufe während des Tuns bewusst zu werden und ebenso wertvolle Ausgangspunkte für eine weitergehende Reflexion des didaktischen Designs liefern. In dieser Phase kann Visualisierung eine wichtige Rolle spielen, auch im Hinblick darauf, wie Impulse in welcher Reihenfolge eingesetzt wurden sowie Reaktionen und Effekte die sich daraus ergaben.
  • „Was hast Du gelernt?“ Hier kann es um fachliche Inhalte gehen, um Aspekte von Schlüsselkompetenzen, um neue Details zu den Anwesenden oder den gewählten Themen. So können Aspekte (wieder)entdeckt werden die für aktuelle Konzepte, Projekte und Vorhaben wichtig sind. Eine Option ist in dieser Phase, dass Teilnehmende aufgrund des Erlebten / Umgesetzten miteinander Hypothesen formulieren.
  • „Wie hängt dies mit Dingen / Aspekten / Themen außerhalb des aktuellen Handlungsraumes zusammen?“ (sprich im beruflichen und privaten Sinn). Dabei können die zuvor formulierten Hypothesen weiterentwickelt und konkretisiert sowie Handlungsoptionen und ganz konkrete Schritte entwickelt werden.
  • „Was, wenn…“: Wie und wo könnten sich die Methoden bzw. die gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse noch einsetzen lassen?
  • „Und als nächstes…“ – eine weitere Konkretisierungsphase, mit mehr Details wie klaren Verantwortlichkeiten und Zeitplanung.

All diese Fragen können in Einzelarbeit und darauf aufbauenden Kleingruppendiskussionen bzw. im Plenum besprochen werden.

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Kreative & spielerische Formen von Debriefing

Ein wichtiger Aspekt von Debriefing ist, dass Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Ergebnisse analysiert und zusammengefasst sowie mit anderen in einer respektvollen und von Wertschätzung geprägten Weise geteilt werden. Dies kann in sehr unterschiedlicher Weise geschehen, Sprache ist dabei nur eine mögliche Ausdrucksform und kann auch wegfallen. Einsetzbar sind dabei unter anderem körperbetonte Assoziationsmethoden oder die Statuenarbeit nach Boal.

Eine Variante ist ein „emotionaler Zeitstrahl“: Teilnehmende platzieren Symbole für verschiedene Emotionen während eines Prozesses auf einer Visualisierung des zeitlichen Ablaufs. Dies kann genauso mit Körperbildern umgesetzt werden, die beispielsweise entlang einer Schnur, die im Raum liegt, visualisiert werden.

Cheryl Gould and Caitlin McClure setzten für die Konferenz des Applied Improvisation Network 2010 folgende Form um: Kleingruppen hatten zwanzig Minuten Zeit eine Drei-Minuten-Performance zu entwickeln, in der sich Lernerfahrungen eines Workshops wiederfinden sollten. Danach wurde dazu eingeladen die Performance einer anderen Kleingruppen möglichst genau zu wiederholen.

Spannend ist, auch für das Debriefing spielerische Ansätze inspiriert aus der / umsetzt mit Methoden aus der Angewandten Improvisation zu wählen. Siehe dazu hier sowie diesen Blogbeitrag http://www.improflair.at/playful-debriefing/ sowie diese ergänzenden Methoden:

  • 30 Sekunden nachdenken, einem (mehereren) Mitspielenden ein Wort das dabei aufgetaucht ist mitteilen – in einer bestimmten Lautstärke, mit einer Emotion, mit einer Körperhaltung oder anderen Variante von Verfremdung bzw. mit Varianten von „Stopp und denk nach“
  • Szenische Zusammenfassung & Wiederholung / Verfremdung
  • Einsatz von Assoziation mit Bildern
  • Lernerfahrungen / -ergebnisse in einer Wort-für Wort / Satz für Satz-Geschichte (siehe hier) reflektieren – ein Ausgangspunkt ´kann dazu etwa sein, drei aktuelle Emotionen oder einen gewonnenen „Aha-Moment“ für sich selbst zu notieren.

Für kreative Formen des Debriefings können zudem assoziative Zeichnen und Rich Pictures zum Einsatz kommen

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Einige hilfreiche Sammlungen von Fragen:

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Weitere Literatur als Referenz

Kolb, D.A. (1984): Experiential learning: experience as the source of learning and development. Englewood Cliffs: Prentice Hall.

Radclyffe, J. (2013). The Power of Experiential Learning. Abgerufen 24. 7. 2018 http://blog.readytomanage.com/the-power-of-experiential-learning/